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Frauen piepsen nicht, sie sprechen

Wenn es wichtig wird, neigen Frauen dazu, zu leise zu sprechen. Oder zu schnell, zu hoch, zu unverständlich. Manchmal sogar alles auf einmal.

Dass solche Situationen vermeidbar sind, weiß Petra Ziegler, ehemalige Schauspielerin und Chansonsängerin. Durch Übung kann man alles beheben - sogar das Lampenfieber. Bei SAAL ZWEI gibt die Sprechtrainerin eine schrittweise Anleitung für die perfekte Rede - und verrät, wie sogar das verhasste Entenschwänzchen verschwindet...

Stimme und Sprechweise entscheiden häufig darüber, ob eine Person kompetent oder inkompetent beim Gegenüber ankommt, ob wir ihr eine bestimmte Aufgabe zutrauen oder nicht. Besonders Frauen haben es schwerer, wenn sie sehr hoch, piepsig, leise und hastig sprechen.

Dieser Artikel erschien am 27. Januar 2016 auf SAAL ZWEI.

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Wie können sich sehr hoch sprechende Frauen eine tiefere Sprechweise angewöhnen?

Alles beginnt mit der richtigen Atemtechnik, nämlich mit der Bauchatmung. Legen Sie eine Hand auf Ihren Bauch und atmen Sie durch Nase oder Mund ein. Der Bauch soll sich nach vorne wölben. Atmen Sie durch den Mund mit einem hörbaren Ton 'fff' wieder aus. Produzieren Sie dann die Tonfolge mmomm. Der Ton soll weich und warm klingen. Das ist Ihr natürlicher Sprechton, die sog. mittlere Sprechstimme. Alternativ können sie auch 'mhmm' machen, etwa indem Sie Ihrem Gegenüber zustimmen oder mit 'mmm' - 'ist das lecker' - an ein wunderbares Essen denken. Das sind Übungen, die Sie immer einsetzen können, ohne dass jemand bemerkt, dass Sie gerade Ihre Stimmlage suchen.

Viele Frauen - aber auch Männer - wundern sich, dass die eigene, neue Stimme manchmal um einiges tiefer und resonanzreicher klingt als die, die sie gewöhnt sind. Doch nach einer gewissen Zeit sind die Meisten begeistert!

Und wie klingen Frauen nun noch kompetenter?

Die mittlere Stimmlage mit der richtigen Atemtechnik ist die Grundlage, nun heißt es, lauter zu sprechen. Wir haben etwas zu sagen und piepsen nicht! Lassen Sie sich doch mal von jemandem, der es gut mit Ihnen meint, ein Feedback zu Ihrer Lautstärke geben. Manche denken, dass sie eher laut sprechen, erhalten aber die Rückmeldung, sie seien viel zu leise. Dann sollten Sie bei einer Präsentation vor größerem Publikum immer viel lauter sprechen als Sie denken!

Und nun zu den sog. Entenschwänzchen, bei denen die Stimme am Satzende nach oben geht. Frauen, die häufig telefonieren, tendieren unbewusst aus Gründen der Höflichkeit dazu, die Stimme am Satzende zu heben. Dann schraubt sich die Stimme immer mehr nach oben und klingt unangenehm für den Zuhörer.

Es gibt auch Kolleginnen, die viele Gedanken im Kopf haben und diese bei Präsentationen äußern. Ein Gedanke nach dem anderen, imaginäre Kommata werden gesprochen, die Sätze wirken damit endlos. Kommen Sie auf den Punkt! Auch stimmlich. Dadurch werden die Sätze kürzer, Sie machen Pausen und können Luft holen. Ihr Gegenüber hat dann auch die Chance, Ihre Inhalte zu verstehen.

Wenn Sie Entenschwänzchen vermeiden wollen, sollten Sie üben. Nehmen Sie sich eine freie Rede vor. Eine kurze Präsentation beispielsweise. Zeichnen Sie das Gesagte auf und kontrollieren Sie sich. Falls Sie es nicht alleine schaffen, mit der Stimme nach unten zu gehen, so sollten Sie sich wieder an jemanden wenden, der Ihnen jedes Mal ein Zeichen gibt, wenn Sie nach oben gehen. Dann müssen Sie den gesamten Satz wiederholen, nicht nur den letzten Teil, damit sich Ihr Gehör und damit Ihr Gehirn an diese Sprechweise gewöhnen.

Selbstverständlich ist eine interessante Sprechweise eine Mischung aus dem Senken der Stimme, dem Schwebenlassen am Satzende und auch manchmal aus den Entenschwänzchen.

Wärmen Sie sich vor Ihrer Rede auf!


Damit sind wir am nächsten Punkt angelangt, bei der Artikulation. Alle Profisprecher, seien es Politiker, Moderatoren oder Rundfunk- und TV-Sprecher müssen sich, bevor sie sich professionell äußern, warmmachen. Hier sind einige Übungen dazu - viele kennen Sie sicher noch aus Ihrer Kindheit. Und beim Einsprechen dürfen Sie wieder so richtig Kind sein!

Mund

  • Schneiden Sie Grimassen nach allen Seiten! Macht es nicht Spaß, endlich wieder Blödsinn zu machen mit einem ernsthaften Hintergrund?
  • Grinsen und Spitzmündchen, mehrere Male langsam und schnell!
  • Lassen Sie dazwischen immer wieder mal die Lippen flattern wie es Pferde tun, wenn sie sich wohl fühlen - brrrrr!

Zunge

  • Lassen Sie die Zunge zwischen den Zähnen flattern!
  • Stecken Sie die Zunge mehrmals links und rechts in die Mundwinkel, langsam und schnell!
  • Tasten Sie mit der Zunge mit geschlossenem Mund sämtliche Zähne ab, linksrum und rechtsrum!

Unterkiefer

  • Lassen Sie den Unterkiefer hängen! „Blöd“ schauen!
  • Schütteln Sie den Unterkiefer aus, falls es Ihnen dabei nicht schwindlig wird!

Hals und Schultern

  • Kreisen Sie die Schultern mehrmals nach vorne und hinten!
  • Heben und senken Sie die Schultern mehrmals ganz langsam trotz Bauchatmung!

Bauch, Rücken, Zwerchfell

  • Atmen Sie, wie oben beschrieben, in den Bauch!
  • Lachen Sie herzhaft! Das ist wunderbar für die Seele und das Zwerchfell.


Zuletzt einige Worte zum Lampenfieber...

Die meisten Menschen leiden darunter, vor allem, wenn sie sich in einer vermeintlich wichtigen Situation befinden.
Mein bester Tipp ist, sich in der Vorbereitung auf einen Stuhl gerade hinzusetzen, die Augen zu schließen und die Hände auf den Bauch zu legen. Dabei atmen Sie immer ganz bewusst in den Bauch durch die Nase ein und durch den Mund aus. Sie können Ihre Gedanken fließen lassen, ruhig Ihre Versagensängste formulieren, aber sich jedes Mal sagen, dass Sie gut sind, dass Sie Ihr Fach beherrschen, sonst wären Sie nicht dazu eingeladen worden, vor Publikum zu sprechen. So kommen Sie mit der Zeit in einen Flow und werden ganz ruhig.

Und falls Sie die Nervosität ganz plötzlich während eines Gesprächs überkommt, so sollten Sie sich sofort wieder darauf konzentrieren, in den Bauch zu atmen und die Stimme auf Ihre mittlere Stimmlage zu senken.

Sie sehen: Alles ist eine Sache der Übung.

Je mehr Sie üben, je mehr Sie auch eine Präsentation geübt haben, desto professioneller kommen Sie rüber. Diejenigen, die die lockersten Vorträge halten, haben immer geübt. Meistens sogar mit einem Coach."

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Petra Ziegler – KLANGSTRUKTUR

Studium der Linguistik und Romanistik (M. A.). Schauspielerin, Sprecherin, Chansonsängerin, Synchronsprecherin und -autorin. Seit 1990 Coach und Managementtrainerin im In- und Ausland für Stimme und Sprechen. Fachautorin. Weiterbildung u. a. in NLP, Transaktionsanalyse, Gewaltfreier Kommunikation, Alexandertechnik und Clownerie.